Casanova, du wunderbarer Kater

1384188_572027712833019_914459632_n-1ich werde nie vergessen, wie du zu uns gekommen bist. Du hast dich durch die Katzentür geschlichen, die damals noch im Schlafzimmer war, dich durch den dunklen Flur bis in die Küche gewagt (ganz schön mutig – dabei war dir das nie ganz geheuer) und dann den Napf leergefressen. Zum Dank hast du beim Abschied an meinem Nachttisch deine Markierung hinterlassen – damals warst du schließlich noch ein „richtiger“ Kater. Das hat dir ja letztlich auch deinen Namen eingebracht.

Auch unsere nicht ganz ernsthaften Versuche, dich doch noch zu verscheuchen, haben nicht gefruchtet – du bist geblieben. Der Preis war ein Besuch beim Tierarzt – mit Impfung und Kastration. Eine Woche lang hast du dich danach nicht blicken lassen. Du warst häufiger unterwegs – mal eine Nacht, mal mehrer Nächte. Du hast uns mit deinem Rhythmus davon überzeugt, dass es wohl so etwas wie „Saturday-Night-Fever“ auch bei Katzen geben muss, denn Samstags bist du oft gar nicht vorbei gekommen.

An dem Tag, an dem Silke mit dir gearbeitet hatte, hast du zum ersten Mal gejammert – stundenlang. Ich wusste gar nicht, dass du Töne von dir geben kannst. Danach warst du wie ausgewechselt. Es war, als sei eine Last, die du lange und schwer getragen hast, von dir abgefallen. Du warst zutraulich, neugierig, du hast angefangen zu spielen – eigentlich bist du immer jünger geworden anstatt älter. Man hat dir angemerkt, wie sehr du das Leben genießt. Dass du neue Dinge ausprobierst in einer Umgebung, in der du dich sicher fühlst.

Du hast immer gelacht, wenn du uns gesehen hast. Ja du konntest tatsächlich lachen. Und hast ganz oft geschmunzelt. Deshalb auch dein Spitzname „Schmunzelkater“, den wir irgendwann in „Munzel“ verkürzt haben. Du bist nach und nach häuslicher geworden. Als wir von Geltendorf nach Nesselwang umgezogen sind, war ich mir nicht sicher, ob du mitkommst. Wir haben euch abends nicht eingesperrt, sondern uns darauf verlassen, dass ihr morgens alle da sein werdet. Und wie pünktlich du warst. Nach einem Tag in der Wohnung, der dir endlos erschienen sein musste, haben wir dich schon vor die Tür gelassen – mehr drinnen ging einfach nicht. Du bist durch die Katzentüre raus und warst 10 Minuten später wieder da und hast uns damit gezeigt, dass alles kein Problem ist.

In Nesselwang hattest du glaube ich dein Paradies gefunden. Wenn das Leben mit uns das I war, dann war Nesselwang das Tüpfelchen. Du hast es genossen – die Häuser, den kleinen, aber eigenen Garten ohne fremde Katzen und du hast nicht zuletzt etliche Nachbarinnen mit deinem Charme verzaubert. Besser gings nicht. Vielleicht war das der Grund, dass du jetzt gegangen bist. Es war alles perfekt – mehr ging nicht.

Du hast dir unseren Urlaub ausgesucht, um zu gehen – den ersten seit viereinhalb Jahren. Hätten wir dich vorher zum Arzt bringen sollen? Dass du nicht topfit warst, haben wir gemerkt, aber auch Leonardo und Campino haben in den letzten Wochen immer wieder mal weniger gefressen. Du beim Arzt, mit Untersuchungen, Spritzen, Medikamenten – das kann ich mir so gar nicht vorstellen bei dir. Wahrscheinlich war das auch der Grund für dich, dir unseren Urlaub auszusuchen, um zu sterben. Und du hast dir eine kuschelige Stelle ausgeguckt, an der du ungestört sein, aber trotzdem irgendwann gefunden werden würdest.

Du hast uns gesagt, wir sollen heimkommen. Das haben wir getan. Erst dachte ich, du rufst uns, weil wir dich zum Arzt bringen sollen. Aber ich glaube jetzt, du wolltest, dass wir da sind, wenn man dich findet. Damit wir uns noch voneinander verabschieden können. Das haben wir geschafft – fast auf die Stunde genau.

Du fehlst uns, Schmunzelkater. Danke für die sechs unglaublich tollen Jahre mit dir. Wie schön, dass wir diese Zeit mit dir verbringen durften.

 

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